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Wirtschaft

10.11.2016 - Artikel

Stand: April 2018

Wirtschaftspolitik

Die Regierung von Staatspräsident Nicolás Maduro führt die von dessen Vorgänger Hugo Chávez (verstorben im März 2013) proklamierte Politik des „Sozialismus des XXI. Jahrhunderts“ fort. Dieses Wirtschaftsmodell ist geprägt von einer Abhängigkeit vom Erdölexport, einer dominierenden Rolle staatlicher Unternehmen, einer hohen Regulierungsdichte und einer distributiv-klientelistischen Sozialpolitik. 

. Bevorzugte Handelspartner sind China und Russland, zunehmend auch Indien und die Türkei. Daneben besteht eine große Abhängigkeit von den OPEC-Staaten. Technisch gesehen ist Venezuela bis heute Mitglied des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank. Die Zusammenarbeit wurde jedoch nach vorzeitiger Tilgung aller Schulden bei diesen Organismen praktisch eingestellt. 2012 ist Venezuela aus dem Internationalen Schiedsgericht für Investitionsstreitigkeiten (ICSID) der Weltbank ausgetreten, teilweise ist das Schiedsgericht dennoch weiter zuständig, wo es bilaterale Abkommen (wie z.B. mit Deutschland) so vorsehen.

Ölproduktion

Ausgehend von den offiziell zertifizierten Ölvorkommen verfügt Venezuela über die größten Reserven der Welt. Die Fördermenge sinkt aufgrund fehlender Neuinvestitionen oder Instandhaltung der bestehenden Förderanlagen aber stetig. Über die tatsächliche Fördermenge gibt es widersprüchliche Angaben, sie liegt nach OPEC-Schätzungen jedoch bei ca. 1,6 mbpd (Millionen Fass pro Tag). Das Rohöl wird insbesondere in die USA und nach China exportiert. In den USA betreibt PDVSA über die Tochter Citgo eine Reihe von Raffinerien und eine große Tankstellenkette. Die Ölproduktion durch den staatlichen Ölkonzern PDVSA macht einen Großteil der Wirtschaftsleistung des Landes und praktisch die gesamten Exporte aus. Der Staatshaushalt finanziert sich zu 96% aus diesen Exporterlösen, die klientelistischen Sozialprogramme gehen direkt zu Lasten des PDVSA-Haushalts.

Währung

Die venezolanische Landeswährung, der Bolívar Fuerte, ist nicht frei konvertierbar. Sie konnte für prioritäre Transaktionen, wie Schuldtilgungen und Medizin- oder Lebensmittelimporte über die Devisenkontrollbehörde CENCOEX zum festen Wechselkurs von 10 BSF/USD (DIPRO) getauscht werden. Die Devisennachfrage überstieg deutlich das Angebot. Für nicht-prioritäre Transaktionen wurden Dollarauktionen zum schwebenden Wechselkurs DICOM durchgeführt. Beide Modalitäten waren seit dem 8. September 2017 ausgesetzt. Jüngere DICOM-Versteigerungen ergaben einen Kurs von ca. 43.000 BsF/EUR. Ihre angekündigte Ablösung durch einen Währungskorb aus z.B. Rubel und Yuan ist bislang nicht erfolgt. Die im Frühjahr 2018 eingeführte so genannte Kryptowährung „Petro“ wird von vielen internationalen Analysten als ein Manöver zur Umgehung der US-Finanzmarkt-Sanktionen bewertet.

Aktuelle wirtschaftliche Entwicklung

Venezuela befindet sich seit 2014 in einer Rezession. Nach einem Rückgang des BIP um 7% im Jahr 2015 und 18% 2016 wird für 2017 eine Schrumpfung um weitere 7% erwartet. Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs sind knapp und für weite Teile der Bevölkerung unerschwinglich, das Gesundheitssystem leidet unter einem dramatischen Mangel an Medikamenten und anderen medizinischen Gütern, Ersatzteile für die (kritische) Infrastruktur fehlen. 

Die Inflation  betrug im Jahr 2016 etwa 254,9% und wird 2017 nach Schätzungen bei  zwischen 800% und 1000% liegen. 
Die Arbeitslosenquote lag nach Schätzungen des GTAI 2016 bei 21,2%. Hinzu kommt ein hoher Anteil informeller Beschäftigungsverhältnisse.

Die Wettbewerbsfähigkeit der Nicht-Ölsektoren leidet unter hohen Lohnstückkosten durch die überbewertete Landeswährung und die Inflation. Versuche, die venezolanische Wirtschaft zu diversifizieren und so die Abhängigkeit vom Öl zu verringern, waren daher bisher erfolglos. Die Unternehmen werden durch Devisen- und Ersatzteilmangel massiv in ihrer Tätigkeit eingeschränkt.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Wolken am Kukenan-Tepui, Canaima Nationalpark
Tafelberg Roraima im Naturschutzgebiet La Gran Sabana in Venezuela © picture alliance/blickwinkel
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