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Bundesminister Heiko Maas zum 150. Jahrestag der Gründung des Auswärtigen Amts

Ausstellungseroeffnung 150 Jahre AA

Ausstellungseroeffnung 150 Jahre AA, © Janine Schmitz/photothek.net

13.01.2020 - Artikel

Seit 150 Jahren vertritt das Auswärtige Amt unser Land in der Welt. Und dennoch bieten „150 Jahre Auswärtiges Amt“ keinen Anlass ausschließlich für große Jubelfeiern. Zu oft hat die deutsche Diplomatie in dieser Zeit ihren moralischen Kompass verloren; allem voran durch ihre Mittäterschaft an den Menschheitsverbrechen des Naziregimes.

Warum also überhaupt an dieses Jubiläum erinnern – wo das demokratische, weltoffene Auswärtige Amt von heute doch außer dem Namen fast nichts mehr gemein hat mit der Bismarck‘schen Behörde von 1870, in der Männer aus adligem Haus lange weitgehend unter sich blieben? Warum nicht einfach noch ein Jahr warten, um dann den 70. Jahrestag der Neugründung des Auswärtigen Amts zu feiern, dem unser Grundgesetz ins Stammbuch schreibt, „in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen“? Ich glaube, wir würden es uns zu leicht machen. Geschichte lässt sich nicht verleugnen oder verdrängen, ohne dass wir uns in Wahrheit selbst in Frage stellen. Erst die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit, samt ihrer Höhepunkte und Abgründe, schafft die Grundlage für eine bessere Zukunft.

Unser Anspruch ist daher, die Geschichte des Auswärtigen Amts noch transparenter zu machen –und zwar für alle, die sich dafür interessieren. Im Laufe des Jubiläumsjahrs werden wir zum Beispiel die Akten und Verträge des Auswärtigen Amts über die NS-Zeit digitalisiert im Internet zugänglich machen. Wir wollen aber auch die weniger beachteten Kapitel noch besser ausleuchten – die Kolonialzeit etwa oder das Wirken der DDR-Diplomatie. Und in diesem Jahr – 30 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung – werden wir natürlich auch an die glücklichen Momente in den Jahren 1989 und 1990 erinnern: Als an unseren Botschaften in Prag, Budapest und Warschau Geschichte geschrieben wurde und als mit dem 2+4-Vertrag ein diplomatisches Meisterstück gelang, dem wir die Einheit unseres Landes verdanken.

Die Geschichte des Auswärtigen Amts ist eine Geschichte menschlicher Geschichten. Sie erzählt von Mut und Mitläufertum, von Dienst nach Vorschrift und außergewöhnlicher Hingabe, von falschem Ehrgeiz und ehrlichem Mitgefühl. Sie wirft Fragen auf, die jede und jeden von uns auch heute betreffen: Was hätte ich damals getan? Wo sind die Handelnden falsch abgebogen? Und, vielleicht am wichtigsten: Was können wir aus dem Vergangenen lernen, was können wir heute anders, besser machen? Antworten auf diese Fragen zu finden – das ist es, worum es uns in diesem Jubiläumsjahr gehen soll. Dafür braucht es auch den Blick von außen auf das Auswärtige Amt, die Expertise von Historikerinnen und Historikern, von Think Tanks und von unseren internationalen Partnern. Vor allem aber braucht eine demokratische, weltoffene, moderne Außenpolitik den Austausch mit denjenigen, denen sie verpflichtet ist: den Bürgerinnen und Bürgern.

Ich freue mich, dass unser Jubiläum dazu zahlreiche Gelegenheiten bieten wird! Und ich freue mich sehr über Ihr Interesse an dieser Webseite, am Auswärtigen Amt und an seiner bewegten Geschichte!


Heiko Maas.

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